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Informationsqualität im Kontext Neuer Medien
 

Der Begriff "Informationsqualität" hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung und Schärfe gewonnen. So hat beispielsweise die Kommission der Europäischen Union bereits vor einigen Jahren eine Gruppe ins Leben gerufen, welche sich spezifisch mit den Anforderungen an Informationsqualität auseinandersetzt (http://193.91.44.33/qa/en/qa3.html). Firmen wie Reuters haben begonnen, spezielle Stellen für die Sicherung der Informationsqualität zu schaffen und Qualitätsprozesse für Informationsprodukte zu implementieren. Im universitären Bereich haben Institutionen wie etwa das MIT in Massachusetts vor ca. vier Jahren begonnen, Konferenzen und Kurse zum Thema "Information Quality" durchzuführen (vgl. http://web.mit.edu/TDQM/). Der Hauptaspekt all dieser Aktivitäten liegt jedoch oft auf der Qualität der Informationen und Daten und nicht auf dem sinnvollen und geprüften Verbund von Medien und der Präsentation von Information in diesem Kontext. Hier herrscht nach wie vor Handlungs- und Forschungsbedarf. Trotzdem bieten die Konzepte im Bereich Informationsqualität wertvolle Hinweise für das Qualitätsmanagement im Multimediabereich. Sie zeigen auf, wie Qualitätsmethoden und Instrumente für immaterielle Produkte (wie Multimedia) anwendbar gemacht werden können.

Informationsqualität kann generell definiert werden als Information, die für die Benutzer den Verwendungszweck erfüllt (vgl. Huang, Lee und Wang (1999)). Informationsqualität kann, in Anlehnung an die gängige Qualitätsmanagement-Diskussion (vgl. beispielsweise: http://quality.org/TQM-MSI/TQM-glossary.html), verstanden werden als:

  • "Fitness for use" (das Produkt erfüllt den Verwendungszweck)
  • Übereinstimmung mit den Spezifikationen (festgelegten Produkteigenschaften) oder Kundenanforderungen.
  • Fehlerfreiheit (das Produkt enthält keine "Bugs" oder Lücken).

Der Begriff "Informationsqualität" beschreibt somit die Eigenschaft einer Information und ihrer Einbettung, ihren Verwendungszweck optimal zu erfüllen, d.h. beispielsweise klar und schnell zu informieren, spannend zu unterhalten, verständlich zu instruieren, oder auch effizient konsultiert werden zu können.

Im Kontext von Multimedia verstehen wir Informationsqualität als Kombination folgender vier Eigenschaften:

  • Interaktionsqualität (inkl. Verbundsqualität)
  • Textqualität
  • Bildqualität (inkl. Qualität der Animation)
  • Sprach- und Tonqualität

Die Interaktionsqualität bezeichnet dabei die bedarfsgerechte Ausgestaltung der Informationsumgebung und der Navigations-funktionen einer Multimedia-Anwendung. Eine hohe Interaktions-qualität führt dazu, daß sich ein Benutzer schnell und ohne Schwierigkeiten in einer großen Menge von Informationen bewegen kann. Mit Verbundsqualität wird in diesem Zusammenhang die abgestimmte Verbindung der unterschiedlichen Medien (Film, Bild, Text, Animation, etc.) in einer Plattform (z.B. CD-ROM, Web-Site, etc.) bezeichnet. Dieser Qualitätstyp beinhaltet somit auch einen Grossteil der Programmierqualität (d.h. zum Beispiel Stabilität und Geschwindigkeit).

Die Textqualität in einer Multimedia-Anwendung kann definiert werden in Bezug auf den Stil, den Inhalt, das Format und die Darstellung der Sprache in Schriftform, welche gewissen Minimalanforderungen genügen muß.

Die Bildqualität bezieht sich auf die Art der Darstellung visueller Informationen im Multimediakontext. Qualitativ hochstehende Bilder, Videosequenzen, oder Animationen zeichnen sich dadurch aus, dass sie gewissen ästhetischen, technischen, funktionalen und kognitiven (d.h. ergonomischen) Mindestanforderungen genügen.

Die Sprach- bzw. Tonqualität schließlich besteht einerseits aus der Verständlichkeit und Klarheit der Akustik, andererseits aus der adäquaten Ausgestaltung der inhaltlichen Sprachkomponenten (z. B. prägnante und klare Formulierungen mit menschlicher Note).

Diese vier Elemente können aus drei Sichtweisen beurteilt werden:

1. aus Kundensicht (z.B. Benutzerfreundlichkeit, Mehrwert der Information für dessen Tätigkeit, Spassfaktor)

2. aus der Sicht der Wartung, Administration oder Weiterentwicklung (z.B. Wartbarkeit, Dokumentation, Migrationsfähigkeit)

3. aus Expertensicht (z.B. pädagogisch sinnvoll. künstlerisch gelungen, bezüglich Sicherheitsaspekten, etc.)

Die Betrachtung von Informationsqualität aus der Perspektive Neuer Medien (unter Berücksichtigung der multimedialen Elemente) ist dabei ein Schwerpunktgebiet unserer Forschung. Ein weiteres ist die spezifische Betrachtung aus der Wissensperspektive. Sie wird in einem separaten Abschnitt behandelt.

If you have questions or comments, please do not hesitate to contact me at:

Dr. Martin Eppler
mcm institute
for Media and Communications Management
University of St. Gallen
Mueller-Friedberg-Strasse 8
9000 St. Gallen
Switzerland
(tel) ++41 71 / 224 2407
fax) ++41 71 / 224 2771
(email) Martin.Eppler@unisg.ch

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